Logo - Marco Maurer Journalist


„Wir haben eine Verwandtschaft. Wir haben etwas zu sagen. Wir sind keine eindeutigen Typen.“

Gitarrenmusik ist heute ziemlich unpolitisch, während Hip-Hop sich immer lauter einmischt. Oder? Die Rapper von Zugezogen Maskulin und der Alt-Punk Schorsch Kamerun über sich selbst und den Generationenunterschied in Pop und Politik

Einer der popkulturell wichtigsten Orte Hamburgs befindet sich in einem Hinterhof in der Innenstadt: das Label Buback, das für einen gesellschaftskritischen, unbequemen Sound steht. Anfangs erschien hier Punk (etwa von der Band Angeschissen), später Gitarrenmusik von Tocotronic oder Die Türen, seit den Beginnern auch Hip-Hop. An dieser Entwicklung lässt sich eine große Veränderung im Pop ablesen: Politische Songtexte werden immer seltener von Gitarren begleitet. Als in Hamburg gegen G20 protestiert wurde, spielten Slime und Die Goldenen Zitronen, alte Punk- und Indie-Ikonen. Ihre stilistischen Nachfolger? Nicht auszumachen. Dafür traten junge Rapper auf, etwa Zugezogen Maskulin, die sich gegen Fremdenhass, Homophobie und Kapitalismus richten. Wa rum schafft heute Hip-Hop den Bezug zur Gegenwart, während die Gitarre still ist?
NEON hat Moritz Wilken und Hendrik Bolz, beide 29, von Zugezogen Maskulin zum Gespräch mit Schorsch Kamerun, 54, eingeladen, dem Sänger der Goldenen Zitronen. Die Band hat vor 40 Jahren Buback gegründet. „Wir kennen uns noch nicht“, sagt Schorsch Kamerun im Büro des Labels zu den beiden Rappern, „aber ich bin jetzt schon begeistert“. Ihre Musik treffe seinen Nerv.

NEON: „Mein Zimmer war eng, klein und muffig, Punk war tot und das Lego verstaubt“, heißt es auf dem aktuellen Zugezogen-Maskulin-Album „Alle gegen Alle“. Was denkst du, Schorsch, wenn du das hörst?
Schorsch: Der Begriff „Punk“ hat seine Bedeutung geradezu umgekehrt. Ursprünglich ging es um heftige Irritation, schon rein äußerlich. Ich bin an der Ostsee, Timmendorfer Strand, aufgewachsen, einem konservativen, teils autoritären Umfeld, und habe dagegen aufbegehrt. Heute tragen Fußballer Irokesen als Mode. Damit lässt sich nicht mehr nerven.
Moritz: Stimmt, das ist in diesem postmodernen Gematsche nicht mehr möglich. Ich habe mit 13 angefangen, Baggys zu tragen. Das hat auch Leute gestört, aber auf eine mildväterliche Art und Weise. Wer heute anecken will, wendet sich neurechten Verbindungen zu.
Hendrik: Oder dem IS.
S: Nur wäre das nicht progressiv. Punk dagegen wollte, bei allem No-Future-Gestus, auch eine bessere Welt. Wir haben gesagt, Scheiß-Autoritäten, Kalter Krieg, Machismus, ökologische Zerstörung weg damit. Das hat keine Zukunft.
M: Der IS gibt sich ja, für seine Fans, auch progressiv.
S: Nee. Das ist fundamentalistische Steinzeit. Punk hat dagegen keinen wirklich angegriffen. Er war spielerisch.
M: Vielleicht ist da was dran, ich glaube nur, dass der IS von sich selbst denkt, dass er eine bessere Welt erschaffen möchte. Dass das aus meiner linken Sicht kein wünschenswertes Weltbild ist, ist klar.
Moritz und Hendrik, zurück zu eurer Songzeile. Meint ihr es ernst, dass Punk damals schon tot war?
H: Ja. Es geht da um die Zeit Anfang der Nullerjahre, als die Toten Hosen und die Ärzte als Punks galten. Bands, die schon total im Mainstream angekommen waren. Dagegen haben Bushido oder Sido mit ihren Songs verstört. Ihre Texte hatten Sprengkraft. Diese seltsamen Sexualpraktiken, die auf einmal ausgesprochen wurden, die Gewalt, der Drogenkonsum! Eltern und Lehrer dachten: Ohgottohgott, was geht denn nun ab? Das war spannend. Maxim von KIZ hat über diesen Moment gesagt: Das ist Musik, die dir dein Deutschlehrer nicht wegnehmen kann. Ähnlich wie beim Punk.
S: Da bin ich mir nicht sicher. Ich hab mir Bushido und Sido ja als bereits Älterer auch angehört und war davon keineswegs geschockt. Weil es ein so offensichtlicher Versuch war, extralaut zu sein zumindest bei Bushido. Das hat genervt, klar. Aber subversiv? Ich weiß nicht. Eine Subversion denkt auch Alternativen mit. Wenn ich nur meinen Schwanz raushole, stört das Leute, ist aber noch keine Gegenkultur.
M: Es war damals schon allein eine Leistung, sich wie Sido hinzustellen und zu sagen: Guck mal, das bin ich, das ist mein Leben im Märkischen Viertel in Berlin. Eine Stimme aus einem Problembezirk, die bis dato selten in den Medien aufgetaucht war.
Wie seht ihr den Hip-Hop heute, ist er politisch?
M: Von der Subversion ist im Hip-Hop nicht viel übrig geblieben. Die Ansage ist eher: „Yo, du musst ordentlich hustlen, und dann kannst du dir Versace-Klamotten kaufen. “
Euer neues Album dagegen handelt von einer auseinanderdriftenden Gesellschaft, von der AfD und „schwachsinnigen, sogenannten Coolkids“. Seht ihr euch als politische Rapper?
M: Nein. Weil das Label Polit-Rap oder Zecken-Rap für eine bestimmte Art von Musik steht. Zu 90 Prozent ist das so Demo-Musik, reiner Parolen-Rap.
H: Und am besten noch unästhetisch, ohne Glamour und ohne dass es Spaß machen darf. Ich rappe nicht, um politisch zu sein. Ich will mich ausdrücken, und das Politische ist ein Teil davon.
Wir haben den Eindruck, dass der deutsche Hip-Hop in den letzten Jahren politischer geworden ist, mit Antilopengang oder Neonschwarz etwa. Vor Kurzem fand an der Roten Flora ein Hip-Hop-Festival statt, das sich gegen die AfD richtete. Wie seht ihr diese Entwicklung?
M: Na ja, auf den Schulhöfen definieren sich die Kids heute über die Beats, den Hip-Hop und nicht über die Gitarre. Doch natürlich hat auch die lascheste Indiepopmucke einen politischen Moment. Auch aus der Laschheit kann ich einen Zustand ablesen. Wenn Revolverheld Easy-Listening-Rock machen, dann fliehen sie vielleicht vor etwas.
S: Ein Stück weit stimmt das. Wenn ich heute auflege, spiele ich kaum Gitarrenmusik, sondern eher Hip-Hop oder Techno. Die Gitarre hat ihre verwegene Symbolik längst verloren. Ich glaube aber, dass man sich überall scharf ausdrücken kann, im Theater zum Beispiel.
Hast du dich auch deswegen in Richtung Dramaturgie bewegt, weil man in bürgerlichen Theaterhäusern anders als beim Publikum der Goldenen Zitronen auch mal jemanden vor dem Kopf stoßen kann?
S: Am Anfang war es schon eine große Reibung, das fand ich cool. Früher sind wir auf der Punkbühne im Schlafanzug rumgelaufen, danach im Theater. Heute machen das die Massen beim Schlagermove.
Die Welt ist ganz schön irre derzeit: Kriege, die Türkei unter Erdogan, Trump. Wäre es nicht die beste Zeit für Anti-Songs?
H: Auf einen Anti-Trump-Song habe ich überhaupt keinen Bock. Weil es eh schon Mainstream-Meinung ist, dass Trump ein Idiot ist.
S: Die Band Slime hat diesen Song gemacht, „Wir wollen keine Bullenschweine“. Später haben wir getextet, dass man „die Bullen auch nicht mehr so hassen kann wie früher“. Das relativiert natürlich solch einfache Parolen wie die von Slime und beschreibt, wie abgenutzt Zeigefinger wirken.
Schorsch, du hast 1990 „Alles was ich will, ist nur die Regierung stürzen“ gesungen. Geht es darum heute immer noch?
S: Das war schon damals eine gewollte Überzeichnung. Trotzdem sehe ich Nationalstaaten an sich immer noch kritisch.
M: Es ist ja nicht per se etwas Gutes, die Regierung zu stürzen. Das will auch Pegida. Vielmehr geht es darum, ein anderes Leben herzustellen, ein ganz anderes Gesellschafts- und Wirtschaftssystem.
S: Ich mag unsere Überspitzung von damals immer noch. Deutschland und andere Anführerregierungen sind mitverantwortlich, dass diese Welt wie nie zuvor Kriege, Raubbau, Hunger und Armut produziert. Hier, mitten in Hamburg haben sich 20 arrogante Herrschende getroffen. Global gesehen, kann man dieser Elite mörderischen Egoismus vorwerfen.
Wir sprechen später noch über G20. Angenommen, deine These stimmt: Würde sich das mit einer anderen Regierung ändern?
M: Ein Martin Schulz hätte uns jedenfalls kein besseres Gesellschaftssystem gebracht.
S: Natürlich nicht, es bräuchte schon ganz neue Formen des Zusammenlebens. Aber als Künstler bin ich nicht verantwortlich. Zu meiner Rolle gehört, dass ich nicht schon vorher erklären muss, wie es nach dem Umsturz weitergeht.
Darf man fragen, was ihr bei der Bundestagswahl gewählt habt?
S: Nein. Ich will keine Werbung für eine Partei machen.
M: Ich wähle nicht.
Du wählst nicht? Was hältst du davon, Schorsch?
S: Ich selbst mache es, weil ich glaube, dass unsere Demokratie doch einen großen Wert hat. Sie hält auch dich als Nichtwähler aus, Moritz.
Hast du früher gewählt?
S: In Timmendorfer Strand ging eine Stimme an die DKP. Jeder wusste, von wem die kam.
Ist es nicht ziemlich dumm, nicht zu wählen?
M: Man kann auch sagen, dass es dumm ist, zu wählen. Weil es nichts bringt. Außer dass man am Sonntag nicht ausschlafen kann. Zur Wahl zu gehen ist doch der minimalstpolitische Akt. Ich kann die vier Jahre dazwischen völlig apolitisch leben und dann einen Zettel abgeben. Dann hab ich diesen Feelgood-Moment, kann mich über andere stellen und sagen, „Nicht-Wählen ist scheiße“ .
Hendrik und Moritz, ihr seid im beschaulichen Friesland und in Stralsund aufgewachsen. Werdet ihr von Berliner und Frankfurter Problemviertel-Rappern ernst genommen?

H: Wir sind für die einfach Streber-Rapper, linke Scheiße.
Ist Hip-Hop für euch automatisch links?
H: Aus rein persönlicher Sicht auf jeden Fall: Auf Stadtfesten dominierten in meiner Jugend die Rechten. Dann habe ich den Hip-Hop für mich entdeckt. Das kam dort, genau wie Punk, anfangs auch nicht gut an, hatte durch den lockeren Umgang mit Gewalt aber zumindest etwas Stärkendes, eine Gegenmacht. Heute ist für mich Linkssein keine Kategorie mehr, weil ich nicht weiß, was das überhaupt noch ist: Sich für abgehängte Gesellschaftsschichten einsetzen? Für Frauenrechte? Antideutsch sein? Anti-imperialistisch?
M: Natürlich hat Rap auch viel, womit ich mich unwohl fühle, diesen Leistungsgedanken etwa. Aber es gibt natürlich auch andere Entwicklungen, speziell in Hamburg ist er in Berührung gekommen mit Punk.
S: Die Beginner sind alte Buddys der Zitronen. Wir haben in denselben Jugendzentren gespielt, sind zusammen auf Tour gefahren. In Hamburg fühlen sich Musiker derselben Szene zugehörig, obwohl sie aus verschiedenen Genres kommen.
H: Das ist in Berlin anders, wir haben nichts mit Gitarrenbands zu tun.

Gitarrenmusik war früher grundsätzlich links, gegen den Vietnamkrieg, die CDU, das Establishment. Dann kamen Bands wie die Böhsen Onkelz, Rammstein oder Frei.Wild. Heute gibt es rechte Festivals, die Rock gegen Überfremdung heißen. Wurde linker Rock von rechts überholt?
S: Natürlich reicht es nicht, aggressive Rockmusik zu machen und dann zu glauben, sie wäre per se links. Dennoch muss man differenzieren: Rammstein sind nicht die Böhsen Onkelz. Sie benutzen allerdings sehr bewusst eine Uneindeutigkeit. Ich hab mir lange gewünscht, dass sie sich klar abgrenzen. Ihr Mythenspiel ist aber Teil der Verkaufsstrategie. Sie machen das zugegebenermaßen sehr unterhaltsam.

Der offene rechte Rand würde es in der Politik heißen. Markus Frohnmaier, der Vorsitzende der jungen AfD, hat uns neulich erzählt, dass er Kraftklub und Marteria mag. Was tut ihr, wenn ihr von dieser Seite vereinnahmt werdet?
M: Passiert uns, und zwar mit richtigen Nazis, nicht mit irgendwelchen AfD-Honks. Und das, obwohl unsere Aussagen ziemlich klar sind. Wenn jemand das nicht kapiert, kann ich ihm auch nicht helfen.
H: Das war aber früher schon so. Als die Hosen „Sascha, ein aufrechter Deutscher“ gesungen haben, haben dazu Nazis abgefeiert, obwohl das ganz klar ein Song gegen Nazis war. Ich hoffe, dass wir Leute, die mit rechtem Gedankengut liebäugeln, zum Nachdenken bringen. Mehr können wir nicht tun.
S: Anscheinend ist auch Zugezogen Maskulin von jedem hörbar. Es ist nicht mehr so, dass sich ein Nazi die Ohren zuhält, weil er euren Auftritt krass „entartet“ findet. Das ist bei uns anders. Wir forschen nach Formen, welche bestimmte Ohren nicht aushalten. Unsere Strategie ist es, wirklich krank zu klingen und so schlecht vereinnahmbar zu sein.
Musstest du nie mit Applaus von Leuten umgehen, die du gar nicht ansprechen wolltest?
S: Wir hatten eine Zeit, in der wir Bierzeltatmosphäre ironisierten, das zog Hunderte Mitgrölsoldaten an. Dieser meist sehr männliche Party-Pogo-Moment des Punks wurde irgendwann zu populär. Die „Bravo“ wollte Mitte der 80er Homestorys mit uns machen, und sogar die „Bild“-Zeitung fand uns superschrill und daher interessant. Wir fanden das schnarchig.

Denkst du dir heute manchmal „och schade“?
S: Nee, gar nicht. Wegen Geld? Ich komme gut klar. Ich bin bis heute eng mit den Toten Hosen befreundet und auch mit Bela B von den Ärzten. Mich freut das, obwohl wir künstlerisch verschiedene Wege gegangen sind. Ihr habt doch auch gerade so ein richtig großes Konzert gespielt. Hat das Spaß gemacht?
M: Nein. Das war in der Veltins-Arena, triste Atmosphäre, halb volle Ränge, klingt halt einfach Scheiße.
S: Würdet ihr es wieder machen?
M: Klar, solange die Gage stimmt.
S: Verstehe …

Schorsch Kamerun zuckt mit den Schultern. Ihm ist anzumerken, dass er hier anders tickt. In diesem Moment steht ein Taxi vor der Tür, kleine Pause, das Interview soll an anderer Stelle weitergehen. Schorsch Kamerun radelt dorthin, Zugezogen Maskulin nehmen das Taxi. Jetzt, als Kamerun nicht dabei ist, sagt Moritz, er sei in seiner Jugend ein großer Fan der Zitronen gewesen. 20 Minuten später sitzen die drei Musiker auf den Treppen über dem gerade wieder eröffneten Golden Pudel Club wie die Rote Flora, über deren Zukunft seit G20 heftig gestritten wird, ein Fixpunkt der linken Hamburger Szene.
Schorsch, du hast mal gesagt: „Es gibt Orte, die transportieren symbolisch eine Haltung, die es zu verteidigen gilt.“ Wie wichtig sind Orte wie der Pudel und die Rote Flora?
S: Sehr wichtig, es sind selten gewordene Räume, an denen echte Experimente, letztes wertschöpfungsfreies Ausprobieren und völliges Quatschmachen stattfinden können. Wir haben den Pudel damals umsonst bekommen, heute reißen sich die Investoren um solche einst rauen Flecken in den Städten. Diese Inseln muss man sich als Gesellschaft leisten, das werden wir immer verteidigen.

Sowohl Die Goldenen Zitronen als auch Zugezogen Maskulin haben bei G20 gespielt. Hier ganz in der Nähe trafen Demonstranten und Polizisten aufeinander. Was haltet ihr von gewaltsamem Protest?
S: Ich glaube an das Recht, sich zu verteidigen. Ich sage aber nicht: Schnapp dir einen Stein und greif die Davidwache an.
Wie seht ihr das?
M: Ihr erwartet von mir jetzt nicht ernsthaft einen Aufruf zur Gewaltdistanzierung, oder? Alles hat so seine Berechtigung. Ich finde Militanz als Fetisch dämlich. Aber friedlicher Protest kann einen schnell an seine Grenzen bringen.
S: Heißt das, dass du für Gewalt bist? Da bleiben alle unkonkret, viele finden das auch richtig, als Taktik. Ich dagegen möchte das klären.

Dann lasst uns doch konkreter werden: Wir haben darüber gesprochen, dass Bands wie Rammstein in Kauf nehmen, am rechten Rand offen zu sein. Bedient ihr das linksextreme Spektrum?
S: So richtig gefallen mir die Zuschreibungen des „Extremen“ nicht, es stimmt aber, dass unsere Herkunft ein linkes Umfeld ist, wir begreifen uns als Teil einer Gegenkultur. Früher hätte man das linksradikal genannt. Vielleicht anders als bei euch beiden, Hendrik und Moritz?
M: Unsere Fans sind zur Hälfte politisch, zur anderen nicht. Aber klar haben wir durch unsere Positionen einen Bezug zu radikalen Kreisen.
S: Man kann natürlich sagen, dass bei einer Demo wie „Welcome to Hell“ nur herauskommen konnte, dass Steine geschmissen werden. Ich sehe das anders: Für mich war das Kunst. Eine gelungene Polemik.
Steinewerfen als Kunstaktion? Es gab zahlreiche Verwundete.
S: Durch den G20-Gipfel wurde die Stadt Hamburg mit Ansage verletzt. Ich habe das als sehr falsch empfunden und auch als einen hoch autoritären Vorgang. Wie so oft hat niemand die betroffenen Einwohner vorher gefragt.
Hendrik und Moritz, seid ihr radikalen linken Kreisen gegenüber offen?
H: Ich bin nicht die Speerspitze einer linken Bewegung. Aber unsere Texte sprechen natürlich nicht die Junge Union an.
M: Ich habe mich ja als Nichtwähler geoutet, weil bei den gängigen Parteien nicht das stattfindet, was ich mir vorstelle. Bei einer Demo wie „Welcome to Hell“ ist das eher der Fall.
Schorsch, siehst du in Hendrik und Moritz, so wie du sie heute kennengelernt hast, ein wenig von dir früher?
S: Wir haben sicher eine Verwandtschaft. Wir kommen aus einer engen Umgebung, aus der wir uns befreien mussten. Wir haben auch etwas zu sagen, gerade zu politischen Themen. Sie sind, wie ich auch, keine eindeutigen Typen. Wir zweifeln und hadern, darin erkennen wir uns. Widersprüchliche Leute finden sich.

Interview: Johan Dehoust und Marco Maurer