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Ich hatte in Sanremo zu tun …

...und bekam einen Panzer.

Ich hatte geschäftlich in Sanremo zu tun. Ist das nicht einer der schönsten Sätze, die man sich beruflich vorstellen kann? Ich finde, naturalmente. Ich reiste also mit der Bahn nach Ligurien, von vergangenem Samstag bis Mittwoch war ich dort. Am Montag, und vor allem um diesen Tag wird es sich heute drehen, wollte ich meinen Mietwagen abholen. Ich kenne Ligurien, war rund fünfzehn, zwanzig Mal dort. Daher reservierte ich vorab die kleinste Klasse (meistens bekommt man einen Cinquecento). Dort, wo ich hinwollte, Bergdörfer im Hinterland von Sanremo, werden die Strassen noch enger als an den ligurischen Küstenorten.

Doch dieses Mal war es anders. Erst hatte ich eineinhalb Stunden zu warten, in der Schlange hatte ich schon mitbekommen, die Kleinwagen sind dem Mietwagenverleih ausgegangen, die aufgeregte Signora erzählte, der Nachschub aus Genua sei zwar unterwegs, aber das würde später Nachmittag werden. Ich könne warten, sagte die Signora, dann würde ich allerdings meinen Termin verpassen. Oder man könne einen der drei noch übrigen grossen Autos wählen (Stichwort: «kostenloses Upgrade»). Allerdings hatten mir vier der fünf Menschen, mit denen ich Termine in den Bergdörfern hatte, zuvor ungefragt gesagt, dass ich doch bitte mit einem kleinen Wagen anreisen solle, «die Strassen, okay?».

Signora zeigte mir die drei grossen Karren: einen tiefergelegten (!) Mercedes (Modell EQE Limousine), einen Volkswagen-SUV (T-Roc R) und eine mir bis dato unbekannte spanische Automarke namens Cupra (Formentor).

Ich musste also, mit Verlaub, Shit-Autoquartett spielen. Der Mercedes war als Erstes raus.

Ich war einmal für das Mercedes-Kundenmagazin mit einem 300 000 Franken teuren Modell der Stuttgarter Autobauer vierzehn Tage lang in Neuseeland unterwegs, unbrauchbar, jetzt kann ich es ja sagen. Der Cupra erschien mir ein wenig schmaler als der VW, ausserdem lieber mit einem Spanier als mit einem Deutschen durch Italien fahren, dachte ich mir.

Und dann fuhr ich halt mit einem rund zwei Tonnen schweren, viereinhalb Meter langen und knapp zwei Meter breiten Panzer durch ligurische Bergdörfer. Als Erstes verwunderte mich, weshalb dieser Wagen noch nicht in die Ukraine geliefert worden war.

Schulbusse warteten, bis ich passierte, kleine Pandas und Puntos hüpften verschreckt von der Strasse, kam ich ihnen nahe. SUVs aus Schweden, den Niederlanden oder dem Aargau blieben aber stoisch in ihren Spuren, eher mittig fahrend. Ich bekam einen Hass auf grosse Autos, auf niederländische Touristen in SUVs und Mietwagenfirmen, die solche grossen Autos für kleine ligurische Strassen anbieten.

Kurz überlegte ich in diesem Moment (Sie wissen ja, ich liebe kleine italienische Autos), ob ich einen Retro-Fiat-Panda-Verleih in Sanremo eröffnen sollte, alle in der Farbe Aquamarina. Nach meinen Terminen nahm ich allerdings abends einen Aperitivo für drei Euro in einem der Bergdörfer und brachte abends den Panzer zurück in die Mietwagengarage. Ich hatte nämlich schon morgens mit der Signora verabredet, dass ich tauschen könnte. Es war natürlich kein Fiat Panda (hatte aber dessen italienische Grösse). Und in diesem Americano-Moment in der ligurischen Bergdorfbar dachte ich mir, mit einem Fiat Panda aus dem Jahr 1980, aquamarina naturalmente, würde ich auch vor dem Casino in Sanremo vorfahren. «Bitte einmal parkieren, grazie.»