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Süddeutsche Zeitung

Super-Nerd
Zwischen Island und Sizilien: Das Münchener Konzert von Erlend Oye
Der Mann auf der Bühne der Kongresshalle hat seine Phasen, ganz klar: Erst war er bekannt als singender DJ, in seiner Kings of Convenience-Zeit versuchte er sich an leiseren Tönen und von 2006 bis 2014 schuf er als Whitest Boy Alive den Indie-Rave-Pop. Heute klingen die ersten Minuten von Erlend Oyes neuestem Werk „Legao “ […] Weiterlesen – ‘Super-Nerd’.
Makatsch wie sie singt und kotzt
Inspiriert von "Hangover", Heike Makatsch in der Hauptrolle - so ein Film könnte funktionieren. Lars Beckers Beziehungskomödie im ZDF allerdings fühlt sich an wie der Blues nach einem Glas Schnaps zu viel.
Es gibt Menschen hierzulande – meistens Männer -, die sogar noch bei einer Frau über einer Kloschüssel Klasse entdecken, vorausgesetzt, Heike Makatsch spielt diese Rolle. Im ZDF-Film Wir machen durch bis morgen früh von Regisseur Lars Becker dürften sich aber sogar Hardcore-Fans von Makatsch gelangweilt abwenden. Eine Stunde und 29 Minuten Langeweile, kein Spannungsbogen, keine […] Weiterlesen – ‘Makatsch wie sie singt und kotzt’.
Es ist nicht vorbei
Als Mitch McDeere musste sich Tom Cruise vor zehn Jahren vor der Mafia fürchten. Nun läuft John Grishams "Die Firma" als Fernsehserie - kratzt aber zu sehr an der Oberfläche.
Mitch McDeere, Junganwalt einer wichtigen Kanzlei in Memphis, besucht zwei Mafiabosse in ihrem Zuhause. Er spricht, die Moroltos hören zu. Er erklärt ihnen, dass seine Kanzlei über Jahre überhöhte Rechnungen ausstellte – und dass sie, die Mafiapaten aus Chicago, Opfer dieser Gaunerei sind. Worüber der Harvard-Absolvent nicht spricht, ist das eigentliche Verhältnis der Kanzlei zu […] Weiterlesen – ‘Es ist nicht vorbei’.
Größer als die Angst
Mehmet Kurtulus hatte als „Tatort“-Kommissar einen guten Job. Er wollte mehr, riskierte alles, zog nach Los Angeles. Jetzt spielt er in einem Actionfilm den Gegner von Samuel L. Jackson. Eine Begegnung
Die letzte Nachricht, die von Mehmet Kurtulus nach seinem Abschied als Tatort -Kommissar verlautbarte, war, dass er sich auf „seine internationale Karriere“ konzentrieren möchte. Fast zwei Jahre ist das her. Es gab somit nicht wenige, die glaubten, dass er den wohlbekannten Part zahlreicher deutscher Schauspieler einnehmen werde, die das vor Kurtulus versuchten: reumütig zurückzukehren; vielleicht […] Weiterlesen – ‘Größer als die Angst’.
Strandmanöver
In St. Peter-Ording hat ein Hotel eröffnet, das die Surferszene ansprechen will. Die aber fühlt sich woanders wohler: direkt am Wasser
Den ersten Surfer entdeckt man erst nach fast zwei Tagen. Er ist so, wie man ihn sich vorstellt, sehnig und kräftig zugleich, Sixpack, Surferhose über die Knie, fokussierter Blick, in seinen Augen glaubt man den Ozean erspüren zu können. Sein Name ist Kelly, er ist US-Amerikaner und auf einer Tapete in Zimmer Nummer 152 zu […] Weiterlesen – ‘Strandmanöver’.
Alles über mich
Egal, über welchen Prominenten Mark van Huisseling schreibt, er schreibt vor allem über sich selbst. So möchte der Journalist Glamour in die vermeintliche Schweizer Langweiligkeit bringen. Dafür erntet er Zuneigung aber auch manchmal Hass. Ein Treffen in Zürich
Wenn man einem Land und seinen Bewohnern keine Allüren zuschreiben mag, dann der Schweiz. Hat sie doch einen Promi von Weltruhm wie den Tennisspieler Roger Federer, dann kommt der eher diskret rüber. Welchen Ansatz wählt man aber, wenn man hauptsächlich über Prominente schreibt – ausgerechnet in der Schweiz? Man sucht sich internationale Berühmtheiten. Und: Man […] Weiterlesen – ‘Alles über mich’.
Unendliche Geschichten
Mit seinem Magazin „Reportagen“ wagt Daniel Puntas Bernet etwas, das in Zeiten der Printkrise fast verrückt klingt: Er lässt sein Heft in Leinen binden, verzichtet auf Fotos und setzt auf seitenlange Texte. Zu Besuch in seiner Berner Denkfabrik
Daniel Puntas Bernet ist Handlungsreisender derzeit, so wie es sich für einen Geschäftsmann geziemt, der in Sachen Reportagen unterwegs ist. Ein Reporter muss schließlich unterwegs sein. So einfach ist es aber nicht, denn das Wort „Reportagen“ ist im Fall Bernet doppeldeutig. Es ist einerseits die große Disziplin des geschriebenen Journalismus, anderseits seit Oktober 2011 der […] Weiterlesen – ‘Unendliche Geschichten’.
Faust in die Fresse
Die Augsburger Band „Misuk“ vertont auf eigenwillige Art Texte von Bertolt Brecht. Und es scheint, als fühle sich ihre Sängerin Eva Gold in Brechts Zeit ausgesprochen wohl
Im Café Dichtl könne man sich treffen, sagt sie. Obwohl sie neulich vernommen habe, dass die alte Augsburger Café-Institution häufig von Lokalpolitikern aufgesucht werde. Seither habe das Dichtl bei ihr ein wenig an Glanz verloren. Und bei Eva Gold, 29, und ihrer Band Misuk dreht sich vieles um Glanz, was wiederum ganz hervorragend zu Eva […] Weiterlesen – ‘Faust in die Fresse’.
Was hast du mir denn mitgebracht?
Aus der SZ-Reihe: Eine Reise geht so schnell zu Ende, und die Erinnerungen verblassen auch immer sofort. Also bringen wir öfter mal etwas mit und stellen unsere Fundstücke vor. Diesmal: Samen vom Joshua Tree
Ein Souvenir ist ja immer irgendwie auch ein Kulturaustausch. Ein Ding, von irgendwoher mitgebracht, an einen anderen Ort verpflanzt. Verpflanzt ist bei diesem Souvenir eigentlich schon ein gutes Stichwort. „Grow your own GIANT Joshua Tree“, steht auf dem Päckchen, das im Shop am Eingang des Joshua-Tree-Nationalparks in Kalifornien ausliegt. Der Hobbygärtner in einem schlägt sofort […] Weiterlesen – ‘Was hast du mir denn mitgebracht?’.
Ein Abend in Samt
First Aid Kit und Conor Oberst treffen in der Kongresshalle aufeinander
Girls first, denn es ist ein Konzertabend, den Klara und Johanna Söderberg eröffnen, während sich Indie-Darling Conor Oberst hinter der Bühne der Kongresshalle versteckt hält. Die Frage war, ob Oberst später genauso verhuscht – das kennt ja man von ihm – wie die Söderbergs in ihren roten Kleidchen auftreten würde. Die Schwedinnen namens First Aid […] Weiterlesen – ‘Ein Abend in Samt’.
Alles für den Frieden
Bei Sat 1 ist Henning Baum „Der letzte Bulle“. Frauenzeitschriften preisen ihn als richtigen Kerl im Fernsehgeschäft. Stimmt das? Eine Begegnung in der Boxhalle
Henning Baum, geboren 1972, schlägt die Klobrille so, wie er auch als der letzte Bulle Mick Brisgau in der gleichnamigen Serie auf Verbrecherjagd geht – rabiat. Es kracht. Das Geräusch wirft in dem kleinen Toilettenraum die Frage auf, ob die Brille jetzt mit dem Fuß nach oben gekickt oder doch eher mit den Händen nach […] Weiterlesen – ‘Alles für den Frieden’.
Und wären wir Helden, für einen Tag!
Ein Film nähert sich dem Künstler David Bowie – sexy, kryptisch und mit einer Frau in der Hauptrolle. Zu sehen gibt es „Dave“ im Internet, dem oft besseren Fernsehprogramm dieser Tage
Es ist ein Film, zu dem man tanzen möchte. Ein Film, dessen Tonspur eine wunderbar abgemischte David-Bowie-Disco ist. Liefe der Film im regulären Programm deutscher Sender, würde man den Mut der Programmverantwortlichen preisen; er ist aber nur im Internet verfügbar, dem oft besseren Fernsehprogramm dieser Tage. Das geht einem gleich zu Beginn des Films Dave […] Weiterlesen – ‘Und wären wir Helden, für einen Tag!’.
Kringeltanz
Die kanadische Band Stars fasziniert im Feierwerk
Stellt man sich die Welt des Pop als eine Kugel vor, dann wäre die Musik der kanadischen Band Stars Teil dieser kleinen, schimmernden Stelle an der Oberfläche dieser Kugel. Die Stelle, an der sich das Licht spiegelt, sich bricht und die man deswegen immer mit einem weichen Tuch aufpolieren möchte, obgleich es eh bereits die […] Weiterlesen – ‘Kringeltanz’.
Das Haus des grünen Geistes
In Zürich isst man traditionell gerne rohes Fleisch oder Geschnetzeltes. Gerade dort steht das älteste vegetarische Restaurant der Welt
Das Haus duftet. Etwa 50 Meter davor, dahinter, links und rechts davon – wahrscheinlich hängt die Aromawolke sogar über dem Dach des Anwesens in der Sihlstraße 28 und vermengt sich dort mit dem Himmel über Zürich. Der Inhaber des Hauses sagt, diese Note aus Kreuzkümmel, Kurkuma und verschiedenen Currys sei nicht zu leugnen. Und da […] Weiterlesen – ‘Das Haus des grünen Geistes’.
In der Badewanne
Beach House plantscht im Seifenblasen-Pop
Es ist also ein Pflichttermin geworden, und natürlich sind sie alle da – die Hipster, die Pärchen, die Schwabinger und die Moosburger, die Menschen aus dem Radio und die aus ihrem geschriebenen Gegenüber, dem Feuilleton. Alles also, was man immer etwas despektierlich „Szene“ nennt. Sie gibt sich ein Stelldichein im natürlich ausverkauften Hansa 39 des […] Weiterlesen – ‘In der Badewanne’.
Sie will nur spielen
Jüngste „Tatort“-Kommissarin, Aschenputtel, Selbstmordattentäterin: Aylin Tezel ist die Frau für fast jede Rolle. Eine Begegnung im Zug
Das Bordrestaurant des EC 173, ein österreichischer Zug auf dem Weg vom Berliner Hauptbahnhof nach Graz über Dresden, passt irgendwie nicht zur Schauspielerin Aylin Tezel. Gestärkte Tischdecken, stramme Bügelfalten, ein etwas steifer Österreicher als Kellner. Aylin Tezel lacht zur Begrüßung, schaut sich neugierig um, beißt auf die Lippen. Sie freut sich auf ihre morgendliche Reise […] Weiterlesen – ‘Sie will nur spielen’.
Selten mehr erlebt
Die Grazer Binder & Krieglstein stoßen an alle Grenzen
Um den Sound von Binder&Krieglstein zu durchdringen, muss man knietief in diesem Genre drinstecken. Doch da ist man schon am Punkt dieser Musik angekommen – welchem Genre eigentlich? Was Binder&Krieglstein am Mittwochabend im Hansa 39 des Feierwerks abgeliefert haben, lässt sich nicht wirklich einer Kategorie zuordnen. Sogar der stets beliebte Begriff „Pop“ stößt bei den […] Weiterlesen – ‘Selten mehr erlebt’.
Immer dem Krach nach
Wie die US-Rockband Simeon Soul Charger versucht, von einem Bauernhof in Oberbayern aus erst Deutschland und dann Nordamerika zu erobern
Wer schon einmal von Los Angeles in Richtung Palm Springs gefahren ist, der weiß, wie sich im Inneren eines Wagens die kalifornische Wüste anhört. Viele der hiesigen Radiosender spielen mit Vorliebe Rock aus den Neunzigerjahren: die Foo Fighters, die Red Hot Chili Peppers oder gleich Künstler eines unter dem Namen „Desert Rock“ bekannten Genres, das […] Weiterlesen – ‘Immer dem Krach nach’.
Mentor Mintal
Nürnbergs früherer Bundesliga-Stürmer hat eine Sonderrolle bei der zweiten Mannschaft des Clubs inne: Er soll treffen – und die Talente führen
„Puh!“, Marek Mintal muss lange nachdenken, dann folgt sogar ein „Hmm!?“. Mintal will etwas Zeit gewinnen, ähnlich wie auf dem Platz, wenn es gilt, eine Führung bis zum Abpfiff zu verteidigen. Nur verschleppt er diesmal nicht den Ball im Mittelfeld des 1. FC Nürnberg II, sondern zögert, weil er sich sammeln und eine Antwort entwickeln […] Weiterlesen – ‘Mentor Mintal’.
Klangräume
Soll Mozart zum Fünf-Sterne-Menü erklingen oder gar die markante Stimme von Freddie Mercury? Damit in Luxushotels das Musikniveau über den Klassik-Einheitsbrei steigt, tüfteln Musikexperten an den individuell passenden Sounds.
Der Oberkellner drückt auf die Play-Taste, und eine dezente Sonate von Mozart erklingt. „Schon wieder“, sagt der Mann augenrollend. Er weiß auch, welche Stücke gleich folgen werden. „Schubert, Haydn, Langeweile“, flüstert er. Auch Gäste rieben sich bereits an Mozart. „Das verstört meine Ohren“, beschwerte sich einer bei Gertrud Schneider, der Besitzerin des Fünf-Sterne-Hotels Kristiania in […] Weiterlesen – ‘Klangräume’.
Nummer 13 lebt
In Graubünden ist ein Bär unterwegs. Und wieder stellt sich die Frage: Können Mensch und Raubtier koexistieren?
Als der Bär im April dieses Jahres die Stelle im Unterengadin erreicht hatte, die er erreichen wollte, war er zu seinem Unglück nicht allein. Ein Hobbyfilmer stellte ihm nach und ließ sein Video dem Schweizer Boulevardmedium Blick zukommen. Zu sehen war der Bär, wie er in Richtung einer menschlichen Ansiedlung im Tal blickte. Kurz darauf […] Weiterlesen – ‘Nummer 13 lebt’.
Zart und wütend
Me and My Drummer verzaubern das Publikum in der Muffathalle
Wenn jeder Erdenbewohner die Stimme von Charlotte Brandi hören könnte, gäbe es keine Kriege mehr. Das ist doch mal eine Ansage. Der Satz über die Sängerin des in Berlin ansässigen Duos Me and my Drummer stammt aus dem großen Kosmos des Musiksenders MTV – und zwar nicht von seinem mittlerweile bedeutungslosen deutschen Ableger, sondern direkt […] Weiterlesen – ‘Zart und wütend’.
Großes Klangkino
Konstantin Gropper entwirft mit „Get Well Soon“ Legenden
Um sich eine Meinung über den Musiker Konstantin Gropper und seine als Get Well Soon firmierende Welt zu bilden, muss man eigentlich nur sein jüngstes Video betrachten. Es ist zu Beginn nach Art eines Italo-Westerns im Breitbild-Format gestaltet, ein schwarz gekleideter Cowboy reitet langsam auf seinem Pferd auf den Betrachter zu, die Wüste spielt ihren […] Weiterlesen – ‘Großes Klangkino’.
Neulich in Napier
Aus der SZ-Reihe
Auf den Flughäfen dieser Welt zeigt sich ja oftmals bereits der Zustand der jeweiligen Reisedestination. In München oder Frankfurt etwa läuft zumeist alles in geordneten Bahnen – was dem Klischee folgend den typischen deutschen Sekundärtugenden entspricht. Auf dem Athener Airport dagegen sind die Seifenspender so leer wie die Staatskassen. Dagegen wird auf dem Flughafen von […] Weiterlesen – ‘Neulich in Napier’.
Ekstatisch
Omar Rodríguez López Group fasziniert im 59:1
Erwartungen an ein Konzert der Omar Rodríguez López Group zu stellen ist mühsam. Man muss vielmehr nehmen, was angeboten wird, tritt die Band um den Mars Volta-Gitarristen Rodríguez López doch fast von Tag zu Tag in wechselnder Besetzung auf. Auch die Soundstrukturen variieren von Mal zu Mal. Einzige Konstante ist der in Texas aufgewachsene Puerto-Ricaner […] Weiterlesen – ‘Ekstatisch’.
Weiterspielen
Eine HBO-Serie erzählt, wie die Menschen in New Orleans nach dem Hurrikan nicht nur ihre Stadt, sondern auch sich selbst wieder aufbauen
Mit Schicksalsschlägen geht jeder ein wenig anders um, es gibt die Flucht nach Innen und die nach Außen. In der US-Serie Treme (gesprochen: Tre-mäy) sieht man Menschen, die weinen, lachen, schreien, saufen, hadern, oder eben Menschen, die tief in sich versunken sind. Was alle Charaktere verbindet, ist die Musik. Aus ihr ziehen sie Kraft, drei […] Weiterlesen – ‘Weiterspielen’.
„Musik reinigt meine Seele“
Seit ihrem Debütalbum vor acht Jahren tourte Katie Melua wie eine Getriebene um die Welt. Bisweilen spielte die Sängerin jeden Tag auf einem anderen Kontinent – bis sie zusammenbrach. Ein Gespräch über die Tiefpunkte eines Erfolgsmenschen
Auf ihrem aktuellen Album „Secret Symphony“ singt Katie Melua, 27, von gesellschaftlichen Hürden, zerbrochenen Beziehungen und anderen Problemen im Leben. Es ist nicht die derzeit im Popgeschäft moderne melancholische Note, die sie zu dem Album beeinflusst hat – es ist ihr eigenes Leben. Vor knapp zwei Jahren hat sich die erfolgreiche Sängerin, die bislang zwölf […] Weiterlesen – ‘„Musik reinigt meine Seele“’.
Cooler Spießer
Ein ganz hübscher Film zeigt den Musiker Iggy Pop als bürgerlichen Mann, der Bäume pflanzt und Ferrari fährt
Bevor man in die Dokumentation über Iggy Pop überhaupt reinschaut, ist man erstmal skeptisch – es geht schließlich um eine filmische Homestory. Man erinnert sich also an die Sitznachbarin neulich im Flugzeug, die das britische Promiklatsch-Magazin Hello! las. In einer Juli-Ausgabe breitete Hello! Kind und Kegel des Altrockers Rod Stewart aus, der selbst noch seine […] Weiterlesen – ‘Cooler Spießer’.
Weg von der Straße
Jesper Munk singt den Blues – als Auftrittsort bevorzugt er inzwischen eine richtige Bühne
Mittwoch, 17.23 Uhr, eine Interpretation des Songs der kalifornischen Bluesmusikerin Etta James webt sich am Reichenbachplatz in den Sound der Münchner Innenstadt ein. Der Sänger des Liedes „I’d rather go blind“ heißt Jesper Munk und ist ein 20 Jahre alter Straßenmusiker, der sich mit seiner prägnanten Stimme gerade aufmacht, die kleinen Konzertbühnen der Stadt einzunehmen. Manche […] Weiterlesen – ‘Weg von der Straße’.
We want to ride our bicycles
Espresso, WLAN, Werkstatt: Londoner lassen ihre teuren Fahrräder in schicken Cafés reparieren
Im fernen Frankreich stopfen die Radrennfahrer Müsliriegel in die Rückentaschen ihrer Trikots. Im Café in London steht zur selben Zeit Cally von Callomon am Tresen, verfolgt die Tour de France auf einer Videoleinwand und bestellt gleichzeitig mit feinem britischen Akzent eine „cinnamon apple pie and a cappuccino, please!“ Als er bezahlen will, kramt er wie […] Weiterlesen – ‘We want to ride our bicycles’.
Schlossgarten-Songs
Katie Melua zeigt beim Tollwood Festival ihre zwei Seiten
Till Brönner hatte recht. Am vergangenen Sonntag trat er zusammen mit Katie Melua im Ehrenhof des Neuen Schlosses in Stuttgart auf und sagte seiner Duettpartnerin im Anschluss, er höre manchmal den Blues aus ihr. Ob er damit auch meinte, er würde den Blues gerne öfters von ihr vernehmen, ist nicht gesichert, aber doch anzunehmen. Denn […] Weiterlesen – ‘Schlossgarten-Songs’.
Mitten in…Scuol
Aus der SZ-Panorama-Reihe
Scuol ist ein hübscher Ort im Unterengadin. Ein etwa zwölfjähriger Junge im Özil-Trikot sieht auf dem Bolzplatz eine Gruppe junger Schweizer kicken. Er fragt, ob er mitspielen darf. „Nur, wenn du dieses Trikot ausziehst“, blafft ein kantiges Kerlchen zurück. Die Rätoromanen halten traditionell zu ihren italienischen Nachbarn. Der kleine Özil weigert sich: „Nie!“ Er bleibt […] Weiterlesen – ‘Mitten in…Scuol’.
Eine Tote, zwei Opfer
Wie die „Bild“-Zeitung eine Studentin fälschlicherweise für tot erklärte
Hannah Wolfs Stimmung am Telefon kippt sekündlich. Im einen Moment lacht sie über das Geschehene. Im anderen ist sie sauer. So geht das seit Samstag, so geht das seit die Bild ihr Leben aufmischte. Es war zehn Uhr morgens, die Studentin, 26, ging ihrem Nebenjob in einem Bremer Weingeschäft nach. In ihrem Blog schildert sie […] Weiterlesen – ‘Eine Tote, zwei Opfer’.
In die Tasten
Ein kleines, kluges Magazin über die Welt der Computerspiele
Sie dürfen wohl nicht fehlen. Natürlich fallen in dem vergangene Woche erstmals erschienenen Magazin WASD – Texte über Games auch die Wörter „daddeln“ oder „zocken“. Dabei passt dieser Computerspiel-Jargon eben gerade nicht zu dieser Veröffentlichung – WASD will mehr sein als ein schnödes Spiele-Magazin. Der Herausgeber des 200 Seiten starken Print-Titels, Christian Schiffer, schreibt im […] Weiterlesen – ‘In die Tasten’.
Damentoiletten für Hoffenheim
„Unsere Tradition ist die Zukunft“: Ein Dokumentarfilm über den vielleicht unbeliebtesten Fußballklub des Landes
Das Leben ist kein Heimspiel. Das ist ein schöner Satz, aber auch, – richtet man seinen Blick nach München – ein grausamer. Hat doch der FC Bayern gerade erst im Champions-League-Finale im eigenen Stadion leidvoll erfahren müssen, welche Tragödien dieser Fußballsport an manchen Tagen für seine Akteure und Betrachter bereithält. Und zudem auch gezeigt, – […] Weiterlesen – ‘Damentoiletten für Hoffenheim’.
Mitten in…Düsseldorf
Aus der SZ-Panorama-Reihe
Whitney Houstons Stimme war ein Glück. Eine Stimme wie ihre gab es nur einmal, heißt es allerorten. Die Verneigungen nach ihrem Tod sind demnach noch immer angebracht. Dies dachte sich wohl auch der Besitzer eines kleinen Ladens in der Düsseldorfer Altstadt. Den Eindruck hatte man wenigstens zu Beginn. Denn in den drei Schaufenstern des Hauses […] Weiterlesen – ‘Mitten in…Düsseldorf’.
Sie waren Legenden
Die deutschen Musikmagazine haben ihre Bedeutung verloren - für die Leser und für die Künstler. Was ist passiert?
Das Verhältnis zwischen Musikern und den Journalisten, die über sie schreiben, war immer ein wenig so wie oft zwischen Liebenden. Es ging um Annäherung und Zurückweisung, man schmeichelte und schätzte sich, nicht selten ging es um Vertrauen, um Vertrauensbeweise. Beide Seiten waren sich im Klaren darüber, wie wichtig der andere ist. Man braucht sich, man […] Weiterlesen – ‘Sie waren Legenden’.
Borderline-Pop
Dillon entwirft die Songwriter-Kunst im Feierwerk neu
Es perlt, knistert, rauscht, klopft, flirrt, ein elektronisch erzeugtes Babylon. Darüber legt sich diese wunderbare Stimme; der Ort ihres Entstehens ist nur zu erahnen. Denn auf der Bühne des ausverkauften Feierwerks ist nur Nebel zu sehen, und der scheint zu singen. Er singt von seelischen Zivilisationskrankheiten, von verschwundenen Menschen, von Schrullen, Sorgen und schlaflosen Nächten. […] Weiterlesen – ‘Borderline-Pop’.
Mitten im Mainstream
Die Band „Florence + The Machine“ in der Tonhalle
Links auf der Bühne steht eine große Harfe. Daneben reißt eine Frau ständig die Arme nach oben und singt. Hinter der exaltierten Florence Welch und ihren neun Mitmusikern sind drei Fenster aus Kirchenglas-Imitat angebracht. Zugegeben, es ist ein hübsches Arrangement in der Münchener Tonhalle. Doch die Harfe, sie wirkt verloren. Weiterlesen – ‘Mitten im Mainstream’.
Kollektiv der Zufälligkeiten
Die Augsburger Band „Boy Miez Girl“ ist auf dem Weg raus aus der Geheimtipp-Ecke
Eine Band prägt den Sound Augsburgs. Man hört immer wieder den einen kleinen Hit der Musiker in den Klubs der Stadt. Geht man auf eine private Party, spielt die Band dort selbst. Ein paar selbstgebrannte EPs machen die Runde. Nicht wenige Beobachter glauben, dass diese Combo bald einer breiteren Öffentlichkeit bekannt sein wird. Das war […] Weiterlesen – ‘Kollektiv der Zufälligkeiten’.
Hinter der Kulisse
Südsee real: von Begegnung zu Begegnung einmal rund um Rarotonga
Jetzt sitze ich in einer Kirche auf Rarotonga, und das, obwohl ich das zu Hause nie tun würde. Draußen locken die Sonne, die Bilderbuch-Lagune und der Riffhai. Hier drin aber, innerhalb des weißen, mit grünem Moos bewachsenen Gemäuers der Cook Islands Christian Church, könnte ich ewig bleiben und die Gedanken schweifen lassen. Hauptsache, dieser an- […] Weiterlesen – ‘Hinter der Kulisse’.
Bye, Bye, Board?
Wer auf der Skipiste cool sein wollte,musste sich früher nur auf ein Brett stellen. So einfach ist das heute nicht mehr
Die Snowboarder werden rar. Diesen Eindruck nehmen viele Wintersportler aus den Skigebieten mit. Denn es begegnen ihnen anscheinend immer weniger Menschen, die auf einem Brett unterwegs sind. Zeitungen titeln „Snowboarden ist out“. Das Schweizer Fernsehen fragte gar: „Verschwinden die Snowboarder von den Skipisten?“ Boris Kilvinger ärgern Schlagzeilen wie diese, denn seiner Meinung nach stützen Zahlen […] Weiterlesen – ‘Bye, Bye, Board?’.
„Bitte wenden!“ – Mein Feind, das Navigationsgerät
Auf der Fahrt ins Skigebiet muss ein Autofahrer plötzlich umkehren, die Straße ist im Winter gesperrt. Nach einem vielstündigen Umweg erfährt er: Die Irrfahrt hat System.
Man hätte nie gedacht, dass man der Bruder im Geiste von Kai Pflaume, dem Fernsehmoderator, sein könnte. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, muss man schon mit dem Auto in Richtung des österreichischen Skiorts Lech-Zürs fahren. Genauer gesagt, man muss sich führen lassen – von einem Navigationssystem. Jener Apparatur, über die man schon des Öfteren […] Weiterlesen – ‘„Bitte wenden!“ – Mein Feind, das Navigationsgerät’.
Balz und Karaoke
Arte verkuppelt Lena Meyer-Landrut mit dem Rapper Casper
„Und hier ist Ihr Herzblatt.“ Keiner sagt das noch im deutschen Fernsehen. Dennoch hätte die aktuelle Episode der Arte-Reihe Durch die Nacht mit . . . mit diesem von Rudi Carrell eingeführten Satz beginnen sollen. So aber kann man sich nur ausmalen, wie die Macher bei der Konzeption der Episode im Projektstübchen saßen und dachten: […] Weiterlesen – ‘Balz und Karaoke’.
Helm auf, Hirn aus
Der Olympiasieger und Hotelier Patrick Ortlieb demonstriert beim Touristenrennen „Der Weiße Ring“ in Lech-Zürs den Ehrgeiz eines echten Profis
Patrick Ortlieb, österreichischer Abfahrts-Olympiasieger von 1992, erscheint morgens um 11 Uhr in der Bar seines Hotels Montana in Oberlech nahe den mondänen Skiorten Lech und Zürs – und wird sofort von Gästen umringt. Der einst bei Wintersportfansnicht immer populäre Ortlieb, 44, konzentriert sich nach einer kurzen Karriere als FPÖ-Abgeordneter auf seine Arbeit als Hotelier und […] Weiterlesen – ‘Helm auf, Hirn aus’.
Hau den Vogel drauf!
„Portlandia“ ist der Überraschungserfolg unter den amerikanischen Serien. Parodiert wird die Independent-Szene
Zwei Künstler Mitte Dreißig sind zu sehen. Am Ende eines jedes Satzes offenbaren sie – sie heißen Lisa und Bryce – ihr simples Kunstverständnis: „Put a bird on it!“, also in etwa: „Hau einen Vogel drauf!“ In den folgenden Szenen wird gezeigt, wie das hip angezogene Paar Taschen, Teekannen oder Lampen in einem Galeriegeschäft mit […] Weiterlesen – ‘Hau den Vogel drauf!’.
Im vierten Anlauf
Vom großen Talent zum Kabinen-Außenseiter: Der frühere Bayern-Spieler Reinhold Mathy litt 1986 unter Burn-out, nur war die Krankheit damals kaum bekannt. Vor allem nicht in der Bundesliga. Seine bemerkenswerte Geschichte erzählt von den Schwierigkeiten, in der harten Welt des Profifußballs als zu weich zu gelten.
Als Reinhold Mathy im Frühjahr 1987 die Kabine des FC Bayern München betrat hingen an seinem Spind zwei überkreuz ausgerichtete Fußballschuhe. Auf einem Blatt Papier darunter stand: „Verräter“. Damals war er 25 Jahre alt. Die Mannschaft um Klaus Augenthaler und Lothar Matthäus hatte ihm eine letzte Nachricht hinterlassen. Sie war enttäuscht, sie dachte ja stets, […] Weiterlesen – ‘Im vierten Anlauf’.
Musikalischer Rausch
Die schwedische Band „Junip“ wirkt wie ein Psychedelikum
Es braucht nur Augenblicke, und man ist von dieser Musik eingelullt, im Dämmerzustand. Sie zieht einen ganz langsam ins Delirium. Während des ganzen Konzerts fühlt man sich wie Noodles, den von Robert De Niro gespielten Gauner des Sergio Leone-Epos „Es war einmal in Amerika“. Dieser lässt seine Gedanken in einem chinesischen Opiumhaus entschwinden, nach und […] Weiterlesen – ‘Musikalischer Rausch’.
Ob Maracana oder Unteriglbach – hauptsache Fußball
Josef Weiß, 1975 Europapokalsieger mit dem FC Bayern, spielt immer noch – in der A-Klasse
Wenn man die Geschichte dieses früheren Weltpokalsiegers erzählt, der 1975 vor 117 000 Zuschauern im brasilianischen Belo Horizonte die Copa Intercontinental holte und im gleichen Jahr für den FC Bayern München vor 170 000 Menschen im ehrwürdigen Maracana-Stadion auflief, darf heute der niederbayerische Ort Untergiglbach und das Torverhältnis des A-Klassisten SpVgg Pleinting II (2:31) nicht […] Weiterlesen – ‘Ob Maracana oder Unteriglbach – hauptsache Fußball’.
Kontroverse Kampagne
Mit einem anzüglichen Video buhlt der FC Getafe um neue Fans
Fußballvereine kämpfen meist auf wenig kreative Weise für mehr Publikum. Sie verteilen Freikarten an Kinder oder kapitulieren vor den leeren Rängen, indem sie diese mit einer Plane abdecken und so eine 69 000 Menschen fassende Arena auf ein 40 000er-Schüsselchen verkleinern (zu sehen von Mitte September an bei 1860 München). Weniger resignierend, sondern eher humoristisch […] Weiterlesen – ‘Kontroverse Kampagne’.
Schall und Wahn
Nach dem Ende des Musikfernsehens in Deutschland möchte ZDF Kultur das Segment nun neu erfinden
Die Jugend schaltet nicht mehr den Fernseher ein, heißt es. Die Jugend, heißt es, schaut sich DVDs an oder geht ins Netz, holt sich ihre Pixel-Schnipsel und baut ihr eigenes popkulturelles Dorf – natürlich jeder sein eigenes. Und plötzlich beweist ausgerechnet ein Fernsehsender, also ein uralter Medienträger: So selbständig, so ganz ohne Kurator, geht es […] Weiterlesen – ‘Schall und Wahn’.
Das weiße Rauschen
Erst „aanetze“, dann „ache gumpen“: Die Berner lieben ihren Fluss, die Aare. Wer sich im türkisen Wasser durch die Stadt treiben lässt, kann sie verstehen
Die Berner teilen eine große Liebe, es ist aber nicht die Zuneigung zu einem Mann oder einer Frau, sondern zu einem Fluss: der Aare. Sie ist Sommer für Sommer die Ader allen Lebens in der Schweizer Bundesstadt. Die Aare ist Bern, und man kann getrost sagen: Kennt man die Aare nicht, ist einem auch Bern […] Weiterlesen – ‘Das weiße Rauschen’.
EIN ANRUF BEI . . .
Matthias Holst, bärtigster Profifußballer Deutschlands
Matthias Holst, 29, hat seit mehr als einem Jahr nicht mehr für seinen Verein Hansa Rostock gespielt. Damals nahm sich der Zweitliga-Spieler vor, sich erst wieder zu rasieren, wenn er wieder eingesetzt wird. Doch erst war er verletzt, und wieder genesen wurde er erwischt, wie er bis spät nachts feierte. Holst wurde suspendiert. Am Montag […] Weiterlesen – ‘EIN ANRUF BEI . . .’.
Die Demokratie der Doppel-Sechs
Fußball-Freaks haben taktischen Sachverstand entwickelt. Ihre Blogs sind Expertentum – noch in einer Nische
Es war im Dezember 1998, als Ralf Rangnick vom ZDF ins Sportstudio eingeladen worden war und an der Magnettafel eine noch kaum bekannte Verteidigungsstrategie erklärte: die Viererkette. Im Land der Vorstopper und Liberos zählte Rangnick über Nacht zu den häufig zitierten Trainern. Bild machte ihn umgehend zum "Fußballprofessor" – wobei nicht klar war, ob aus Respekt oder Spott. Weiterlesen – ‘Die Demokratie der Doppel-Sechs’.
Mitten in… Augsburg
Aus der SZ-Panorama-Reihe
Ein Fahrradladen. Die Schlange ist lang – Samstagnachmittag, selbst schuld, man ist ja zu blöd, nur einen Handgriff am Rad allein zu machen. Plötzlich stürmt ein Mann – Mitte 60, weißer Rauschebart, beeindruckender Bauchumfang, zu knappes Shirt, blaue Baseballmütze – in den Laden. Er missachtet die Schlange und ruft: „He, Sie? Schnell! Haben Sie so […] Weiterlesen – ‘Mitten in… Augsburg’.
Die Lehren des Waldes
Aborigines und Touristen: Da prallen Welten aufeinander, doch manchmal kommt etwas Gutes dabei heraus
Die Frage ist erst kaum zu verstehen, auch der spärlich bekleidete Aborigine auf der Bühne reagiert verblüfft und lächelt ein wenig schief. Ein kleiner Junge im Publikum hat gefragt: „Wohnst du im Wald?“ Der Mann stemmt seine beiden Fäuste gegen die Taille und erklärt: „Nein, ich wohne in der Stadt, besitze ein Haus, ein Auto […] Weiterlesen – ‘Die Lehren des Waldes’.
Die bayerische Marta
Wie die Nürnberger Straßenfußballerin Helga Faul 1958 gegen den Widerstand des DFB zu einer der ersten Nationalspielerinnen Bayerns wurde
Die Leidenschaft ist, wenn sie vom aktiven Frauenfußball redet, noch immer zu spüren. Ihre Pupillen weiten sich dann, ein wenig überschlägt sich ihre Stimme. Verloren gegangen sind dagegen die Schnelligkeit, das Stellungsspiel einer Innenverteidigerin – und das gute Auge Helga Fauls. Diese verbergen sich hinter dicken Brillengläsern und wo einst die Beine trugen, muss heute […] Weiterlesen – ‘Die bayerische Marta’.
„Ich bleibe lieber daheim!“
Mimi Müller-Westernhagen über Vorbilder und ihr Verhältnis zu ihrem Vater Marius
Sie nennt sich schlicht Mimi, ihr Vater heißt Marius Müller-Westernhagen. Die 25-jährige gebürtige Londonerin hat aber nicht unbedingt die Rockstar-Attitüde ihres Vaters geerbt. Sie gibt sich vielmehr als verträumtes Indie-Fräulein. So spricht sie von sich auch gerne mal in der dritten Person, ist dabei aber stets charmant. Nachdem sie ihre frühere Karriere als Model beendet […] Weiterlesen – ‘„Ich bleibe lieber daheim!“’.
Nachts auf der Autobahn
Die schwermütige Musik von DeVotchKa aus Denver sorgt für viel Melancholie
Ein kleines Kino spielt sich im Kopf ab. Am Nacken heben sich die Haare, auf den Oberarmen bilden sich kleine Berge, eine Träne dringt durch das geschlossene Lid, die Musik ist zum Anlehnen. Nick Urata, der Sänger von DeVotchKa, der Band aus Denver, intoniert gerade „How It Ends“ aus dem 2006er-Soundtrack des Oscar-prämierten Films „Little […] Weiterlesen – ‘Nachts auf der Autobahn’.
Celan-Szenarien
Die Wiener Band Kreisky im 59to1
Indie-Rock, also Geschrammeltes, Hingeworfenes, kann im Jahr 2011 immer etwas unangenehm sein. Etwas das ungefähr so stört, wie der Zigarettengestank auf dem Hemd von letzter Nacht. Über die Hochzeit des Indies, die 90er, hat man es nur geschafft, wenn man etwas Besonderes zu bieten hat. Weiterlesen – ‘Celan-Szenarien’.
Vom Kind zum Manne
Kristian Matsson, der schwedische Dylan, in der Muffathalle
Er steht da, Dylan-gleich, die Haare wuschelig, eine Stimme ähnlich der des Meisters; damit wie eine Verheißung und zugleich eine Last. Kristian Matsson ist natürlich weniger als Bob Dylan. Doch wer ist das (außer vielleicht Leonard Cohen) nicht dieser Tage? Weiterlesen – ‘Vom Kind zum Manne’.
Rausch der Sinne
James Blake im Atomic Café
Einen Augenblick brauchte es, dann war es da, dieses Gefühl des Erschauderns, das einem Tränen in die Augen treibt und Gänsehaut im Nacken und an den Oberarmen beschert, weil der Sub-Bass so schön tief angesiedelt ist, dass eine physische Reaktion nach den Gesetzen der Physik einfach nicht ausbleiben kann. Für viele Besucher im Atomic Café […] Weiterlesen – ‘Rausch der Sinne’.
So klingt die Gegenwart
Ein-Mann-Band Joasihno überzeugt mit seinem Debütalbum
Diese Platten gibt es manchmal, Platten, die man hört und sich noch Jahre danach erinnert, was man dabei gemacht hat. Als man in der großen Findungsphase Joy Divisions „Unknown Pleasures“ entdeckte oder später zu Notwists „Neon Golden“ unter freiem Sternenhimmel tanzte. Auch der 27-jährige Christoph, genannt Cico, Beck aus Egweil bei Eichstätt könnte die persönlichen […] Weiterlesen – ‘So klingt die Gegenwart’.
Geh’ saufen!
Adele gibt im Kesselhaus die Stimme der neuen Bürgerlichkeit
An diesem Abend im Kesselhaus braucht es nur wenige Momente, um zu merken: Adele, die 22-jährige Sängerin aus London, ist die aktuelle Stimme der Neuen Bürgerlichkeit. Sie schmerzt nach einem langen Arbeitstag oder einer Anti-Atomkraft-Demo nicht, man genießt sie zu einem Fläschchen Bier und kauft im Anschluss an das Konzert Geschirrtücher mit Dackelaufdruck. Weiterlesen – ‘Geh’ saufen!’.
Näher zum Berg
Freie Sicht aufs Matterhorn! Mit einem Tunnel will das Walliser Dorf Saas-Fee den Gästen einen Ausblick wie in Zermatt bieten
Um sich vorstellen zu können, welche Bedeutung dieser Gipfel für die Schweizer hat, muss man nicht einmal – und diese Eigenschaft ist in diesem Land nicht zu unterschätzen – Schweizer sein. Man muss einfach nur seinen Kopf anwinkeln und ihn anblicken: den Berg. Z’Horu. Das Matterhorn. Weiterlesen – ‘Näher zum Berg’.
Der Fluch des Schlurfsounds
Kruder&Dorfmeister sind wieder auf Tour, um ihr Image der Zeit anzupassen
Peter Kruder und Richard Dorfmeister gehören zu den wenigen echten Popstars Österreichs. Die beiden gebürtigen Wiener haben sich aber in den letzten Jahren etwas zurückgezogen und sich eher ihren zahlreichen Soloprojekten und ihrem Plattenlabel G-Stone gewidmet. Seit 1998, seit ihrer legendären Platte „The K&D-Sessions“, einer Mischung aus Ambient, Hip-Hop, Jazz und Trip-Hop, gab es keine […] Weiterlesen – ‘Der Fluch des Schlurfsounds’.
FC Arbeitslos
In Duisburg halten sich 70 Fußballprofis fit, die auf der Suche nach einem Verein sind
Stille. Nur von hinten rechts im Raum, von der Sofaecke, ist ein wenig Murmeln zu hören. Eben hat Christian Schmeckmann gefragt: „Wer von Ihnen hätte vor einem Jahr gedacht, dass er heute hier sitzen würde?“ Seit fünf Jahren – solange kommt er bereits in die Sportschule Wedau in Duisburg – erntet Schmeckmann Schweigen auf seine […] Weiterlesen – ‘FC Arbeitslos’.
Die Schule des Herrn Kim
Ein malaysischer Trainer arbeitet beim FC Bayern daran, Spieler wie Thomas Müller zu fördern
Herr Kim muss unter seinem Bett, oder zumindest in seinem Büro im Münchner Stadtteil Harlaching, einen kleinen Zettelkasten haben; vielleicht nicht so groß wie der von Ewald Lienen, aber immerhin. Einer dieser gelben Zettel aus Kims Kiste ist aus dem Jahr 2001. Herr Kim, damals wie heute Nachwuchstrainer des FC Bayern München, gab seinen Spielern […] Weiterlesen – ‘Die Schule des Herrn Kim’.
Sehnsucht Stehtribüne
Das Fußballmagazin „Elf Freunde” will trotz des Erfolgs nicht zum Establishment gehören
Im Februar des Jahres 2000 saß Günter Grass auf der Tribüne des heute umbenannten Dreisamstadions, blickte über den Rand seiner Brille, stieß Pfeifenwölkchen in die Luft und verfolgte das Spiel SC Freiburg gegen Borussia Dortmund. Um den Hals hatte er sich einen Freiburger Fanschal gewickelt, es war die Zeit der öffentlichen Hinwendung oder vielmehr der […] Weiterlesen – ‘Sehnsucht Stehtribüne’.
Sie weinte und tanzte weiter
Wie Eltern weiterleben, wenn das eigene Kind sich das Leben nimmt.
Es war ein eigentlich freundlicher Spätsommertag. Sie saßen auf der Terrasse unter Philips Fenster, unterhielten sich, tranken Kaffee, aßen Apfelstrudel. Die eine Mutter erzählte der anderen, dass sie Probleme mit ihrem Sohn habe. Daraufhin sagte die andere einen Satz, den sie vorher noch nie gesagt hatte: „Das wird alles wieder gut, das Schlimmste wär’ doch, […] Weiterlesen – ‘Sie weinte und tanzte weiter’.
EIN ANRUF BEI…
BVB-Stadionsprecher Nobby Dickel, der einen Fan-Chor castet
Der ehemalige Bundesliga-Stürmer und DFB-Pokalsieger Norbert „Nobby” Dickel, (45 Tore in 123 Ligaspielen) ist heute Stadionsprecher beim Fußballverein Borussia Dortmund. Zum 100-jährigen Bestehen des 1909 gegründeten Klubs hat der 47-Jährige einen Chor für die neue Vereinshymne gecastet. Knapp 400 BVB-Anhänger haben sich dafür beworben, 41 Amateursänger wurden aufgenommen. SZ: Herr Dickel, Ihnen ist bewusst, dass […] Weiterlesen – ‘EIN ANRUF BEI…’.
Die Unterwelt behält ihre Gäste
Ein sehenswerter Saarbrücker „Tatort” führt Kommissar Kappl ins Bergwerk und zu den Klassikern des Detektivromans
Die englische Krimiautorin Agatha Christie wusste, dass man für einen spannenden Krimi nur wenig braucht: ein prominentes Mordopfer, eine ausgefallene Tatwaffe, einen schrulligen Detektiv, eine Mordgesellschaft und einen außergewöhnlichen Tatort. Deshalb fanden Morde bei Agatha Christie gerne im Pfarrhaus statt, in Villen älterer Ladys oder im Abteil eines berühmten Luxuszuges. In dem Saarbrücker Tatort Das […] Weiterlesen – ‘Die Unterwelt behält ihre Gäste’.
Rumba für die Kommissare
In dem neuen Berliner „Tatort” wird die hässliche Seite der Gesundheitsindustrie gezeigt
Der Tatort Blinder Glaube (Buch: Andreas Pflüger) beginnt ganz stilecht, über den Dächern von Berlin. Kommissar Felix Stark (Boris Aljinovic) blickt frühmorgens nach unten auf den müden Verkehr. Stark, im schicken grauen Kurzmantel, ist lediglich von hinten zu sehen, während die Spitzen des Fernsehturms und des Roten Rathauses in Berlin die Kulisse bilden. Die Szene […] Weiterlesen – ‘Rumba für die Kommissare’.